Warum setzen sich technisch brillante Innovationen wie automatische Parkassistenten (APAS) am Markt oft langsamer durch als erwartet? Unsere neue Open-Science-Publikation „Understanding Innovation Processes“ geht dieser Frage auf den Grund – und liefert überraschende Antworten direkt aus der Praxis der Automobilindustrie.
Der „Teufelskreis“ der Innovation In unserer Studie untersuchen wir den kompletten Weg einer Innovation: Vom Ingenieur beim Zulieferer über den OEM und den Autohändler bis hin zum Endkunden. Das Ergebnis: Oft scheitern Innovationen nicht an der Technik, sondern an „dysfunktionalen Verzerrungen“ in der Kommunikation zwischen diesen Stufen.
Drei spannende Erkenntnisse aus der Studie:
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Das Händler-Dilemma: Unsere Befragungen zeigen, dass Autohändler technisch komplexe Assistenzsysteme oft gar nicht aktiv verkaufen. Der Grund: Sie fürchten Reklamationen durch überforderte Kunden und empfehlen daher lieber „sichere“ Features wie Sitzheizungen, statt Innovationen zu pushen.
- Der 58-Sekunden-Fehler: In einem Eye-Tracking-Test mit einem aktuellen Parkassistenten brauchten Nutzer durchschnittlich 58 Sekunden, nur um den Startknopf für das System zu finden. Für Ingenieure war die Bedienung logisch, für Nutzer purer Stress. Das zeigt dramatisch, wie weit Entwicklung und Nutzerrealität oft auseinanderklaffen.
- Der „Mere-Exposure“-Effekt: Die gute Nachricht ist: Sobald Nutzer das System unter Anleitung einmal erfolgreich getestet hatten, stieg ihr Wunsch, es zu besitzen, signifikant an (um über 30%).
Unser Fazit Erfolgreiches Innovationsmanagement muss über die reine Technik hinausgehen. Wir plädieren für eine Multi-Stage Marketing (MSM) Perspektive, die alle Akteure – vom Zulieferer bis zum Endkunden – von Anfang an strategisch einbindet, um solche Lücken zu schließen.
Das Paper können Sie hier runterladen: Wengler et al. (2026) Understanding Innovation Process
